11.06.2026
ParaBadminton

Sichtbarkeit, Emotionen & starke Leistungen bei den Sport Austria Finals 2026

ParaBadminton im Rampenlicht

ParaBadminton im Rampenlicht
Alle TeilnehmerInnen inkl. der HelferInnen (Court-Officials & Turnierleitung) auf einem gemeinsamen Foto versammelt (Foto: ÖBV)

Als die MedaillengewinnerInnen der Österreichischen ParaBadminton-(Staats-)Meisterschaften 2026 am Samstagabend auf die große Bühne am Wiener Rathausplatz gebeten wurden, war es erneut einer jener besonderen Momente, die weit über sportliche Ergebnisse hinausgehen. Applaus, Wertschätzung und Sichtbarkeit für AthletInnen, die mit großem Einsatz, beeindruckender Leidenschaft und bemerkenswerter sportlicher Qualität aufzeigten, wie viel Potenzial im heimischen ParaBadminton steckt.

Zum zweiten Mal waren die ParaBadminton-(Staats-)Meisterschaften Teil der Sport Austria Finals powered by Österreichische Lotterien. Nach der erfolgreichen Premiere im Vorjahr in Innsbruck wurde die Fortsetzung in Wien zu einem weiteren wichtigen Entwicklungsschritt für die österreichische ParaBadminton-Community.

„Diese Aufmerksamkeit würden wir sonst so sicher nie bekommen“, betonte ÖBV-Generalsekretärin Tina Riedl. „Mit den Videos, den Fotos, den Medienberichten und den Siegerehrungen auf der großen Bühne bekommen unsere AthletInnen genau jene Sichtbarkeit, die sie verdienen.“

Diese Sichtbarkeit wirkt dabei nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Die positiven Erfahrungen aus dem Vorjahr hatten sich innerhalb der Community rasch herumgesprochen und viele AthletInnen zusätzlich motiviert, diesmal selbst an den Start zu gehen. „Nach der Siegerehrung im Vorjahr haben viele sofort gesagt: Das machen wir nächstes Jahr wieder. Es hat allen unglaublich getaugt und motiviert“, so Riedl.

Auch medial fand ParaBadminton im Rahmen der Sport Austria Finals 2026 entsprechende Aufmerksamkeit. In der ORF-Sendung „Sport 20“ wurde über die Österreichischen ParaBadminton-(Staats-)Meisterschaften berichtet. Darüber hinaus ist auch für die kommende Ausgabe des Behindertensport-Magazins „Ohne Grenzen“ ein Beitrag geplant.

Die Entwicklung des ParaBadminton-Sports in Österreich ist noch jung. Nach Jahren mit wenigen Aktiven und einer längeren Unterbrechung wurden die Staatsmeisterschaften 2025 im Rahmen der Sport Austria Finals in Innsbruck wiederbelebt. Ziel war es von Beginn an, die Bewerbe nicht abseits der Öffentlichkeit stattfinden zu lassen, sondern dort, wo die AthletInnen jene Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen.

In der Sporthalle Mollardgasse war deutlich spürbar, dass dieser Weg richtig ist. Elf Athleten und eine Athletin kämpften in Wien um Medaillen. Erstmals wurde neben der Rollstuhlklasse auch eine stehende Klasse ausgetragen. Mindestens ebenso wichtig wie die sportlichen Ergebnisse war dabei das Miteinander innerhalb und rund um die Veranstaltung.

Auch ÖBV-Nationalkaderspieler unterstützten den Ablauf der Bewerbe als Linienrichter, Schiedsrichter und Zähler. Unter ihnen waren die Nationalteamspieler Kai Niederhuber und Leon Seiwald, die die Meisterschaften nicht nur als Funktionseinsatz, sondern auch als besondere Erfahrung erlebte. Die Leistungen der ParaBadminton-AthletInnen beeindruckten sie nachhaltig, insbesondere die Dynamik und Beweglichkeit der Rollstuhlfahrer sowie die Herausforderungen der stehenden SpielerInnen.

Für Tina Riedl liegt genau darin ein weiterer großer Wert dieser Veranstaltung: „Viele kommen zuerst mit Berührungsängsten. Hinterher sagen sie: Wow, was leisten die eigentlich. Das ist etwas, das man nur versteht, wenn man es erlebt.“

Auch ParaBadminton-Nationalteamtrainerin Britta Rudolf betonte den besonderen Charakter der Sportart. Hinter jedem Spieler und jeder Spielerin stehe eine eigene Geschichte. Viele hätten nach einem Unfall oder einer persönlichen Veränderung ihr Leben neu ordnen müssen. Umso beeindruckender sei es zu sehen, mit welchem Enthusiasmus trainiert und gespielt werde. Gleichzeitig sei die Gemeinschaft innerhalb der Szene außergewöhnlich und von Begegnung, Freundschaft und gegenseitiger Unterstützung geprägt.

Sportlich setzten vor allem Johann Färrer und Daniel Kontsch ein starkes Ausrufezeichen. Die beiden Steirer, die gemeinsam bereits zur erweiterten Weltspitze im ParaBadminton-Doppel zählen, gewannen in Wien zunächst den Doppelbewerb. Im Finale der Rollstuhlklasse standen sie sich anschließend als Gegner gegenüber. Färrer verteidigte dabei seinen Staatsmeistertitel mit 21:15 und 21:18.

Für Daniel Kontsch war das rein steirische Endspiel auch ein Zeichen der gemeinsamen Trainingsarbeit. Im Vergleich zum Vorjahr habe er deutliche Schritte nach vorne gemacht, was in Wien auch auf dem Spielfeld sichtbar wurde. Johann Färrer wiederum unterstrich nach seiner erfolgreichen Titelverteidigung, wie viel ihm der Sport bedeutet. Nach seinem Motorradunfall und dem Leben im Rollstuhl habe ihm ParaBadminton neue Ziele, neue Motivation und neue Perspektiven gegeben.

Gemeinsam wollen Färrer und Kontsch nun auch international den nächsten Schritt machen. Das große Ziel ist die europäische Spitze. Eine EM-Medaille wäre für das österreichische ParaBadminton-Team ein besonderer Meilenstein, der aufgrund der positiven Entwicklung und der konsequenten Trainingsarbeit durchaus in Reichweite scheint.

Die Österreichischen ParaBadminton-(Staats-)Meisterschaften 2026 haben damit nicht nur sportlich überzeugt, sondern erneut gezeigt, wie wichtig Sichtbarkeit, Begegnung und gelebte Inklusion für die Weiterentwicklung dieser Sportart sind. Für den ÖBV ist klar: ParaBadminton soll auch in Zukunft weiter wachsen, mehr Menschen erreichen und jenen Stellenwert bekommen, den die AthletInnen mit ihren Leistungen längst verdienen.


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