Wolfgang Noitz im Porträt
Der neue ÖBV-Präsident
Der neue ÖBV-Präsident heißt Wolfgang Noitz. Der Geschäftsmann ist schnell ins höchste Amt gekommen und nimmt sich viel vor: „Ich möchte Badminton in Österreich größer und stärker machen.“ In seinem Brotberuf leitet Noitz zwei Firmen, die Inneneinrichtungen umsetzen. Im Rahmen der Austrian Open spricht der Neo-Präsident über Herausforderungen, Ziele und sein Erfolgsrezept.
Wolfgang Noitz ist kein Mann großer Worte. Man sagt ihm nach, er sei engagiert, verlässlich und er ist ein Anpacker. Im Badminton sieht Noitz derzeit seine Hauptaufgabe im Miteinander-Reden. „Der Vorstand muss die Leute abholen und motivieren. Die Verbandsführung ist kein Selbstzweck. Jeder muss spüren, wir sind für die drei Säulen des Verbandes da: Den Breitensport, den Spitzensport und den Para-Sport“, sagt Noitz in lockerem Dialekt.
Der 60-Jährige spaziert durchs Foyer des Sportpark Graz. Noitz trägt Laufschuhe und lockere Jeans. Seine Haare sind nur etwas länger als der Dreitagebart. Am linken Revers seines dunklen Sakkos glänzt ein kleiner, goldener Federball. Darunter stehen drei Buchstaben: Ö - B - V.
Noitz trägt Badminton also nicht nur sprichwörtlich am Herzen. Für seine neue Aufgabe hat er viele Ziele, die er in einem Satz zusammenfassen kann: „Badminton in Österreich größer und stärker machen.“ Dazu gehört für ihn auch, „Präsenz zu zeigen“, sagt Noitz. Bei den Austrian Open war er vom Qualifikations- bis zum Finaltag. Also die ganze Zeit. Zwischen vielen Besprechungen blieb ihm Zeit, Matches zu verfolgen. „Die Ausrichtung und das Ambiente in Graz haben mich sehr beeindruckt“, sagt Noitz.
Schnell ins höchste Amt
Am Tag der Arbeit wurde es amtlich: Wolfgang Noitz leitet künftig den ÖBV als Präsident. Beim Verbandstag am 1. Mai übergab Ex-Präsident Harald Starl das Amt an seinen Nachfolger. Starl hat den Verband 22 Jahre geführt. Dafür wurde er zum Ehrenpräsidenten ernannt. In den letzten Monaten engagierte sich Starl für einen geordneten Übergang.
Noitz ist kein Quereinsteiger, aber irgendwie doch. Der gebürtige Niederösterreicher, der im Burgenland lebt, ist schon „ewig mit dem Badmintonsport verbunden“, wie er sagt. Über mehrere Vereine ist er zu Wiener Neustadt gekommen. Dort hat sich der Club – auch durch sein Sponsoring – bis in die Bundesliga hochgekämpft. Das ist schon einige Jahre her.
Als höchster Sportfunktionär auf nationaler Ebene ist vieles neu für ihn. Wie wurde – binnen weniger Monate – der große Sprung ins Präsidentenamt möglich? „Durch meinen engen Kontakt zu Michael Steiner und Luka Wraber habe ich immer mitbekommen, was im Badminton passiert“, erklärt Noitz. Im Herbst letzten Jahres wird Noitz erstmals Teil des Vorstands. Um auf die Verbandsführung vorbereitet zu werden, wurde er zunächst als Vizepräsident-Marketing eingebunden. „Die letzten Monate waren sehr intensiv, ich habe viel gelernt“, sagt Noitz.
Kaltwassertaufe zum Antritt
Etliche Gespräche und zwei größere Reisen hat Noitz in dieser Zeit erledigt. Starl und Noitz waren gemeinsam beim Badminton Europe Kongress in Belgrad. Die Tagung des Weltverbandes in China hat Noitz schon allein besucht.
Kaum wurde der Unternehmer zum Präsidenten gewählt, wartet die erste Hiobsbotschaft: das Budget. Auch der Badmintonverband wird sparen müssen. „Dass beim Sport gespart wird, verstehe ich nicht. Jeder investierte Euro, kommt im Gesundheitssystem zurück“, sagt Noitz und ergänzt im Nachsatz: „Die genauen Summen haben wir noch nicht. Aktuell rechnen wir aber mit bis zu zehn Prozent, die wir sparen müssen.“
Noitz Netzwerk
Mit Summen zu jonglieren, muss gelernt sein. Dem Unternehmer ist dabei Erfahrung zuzusprechen. Als Geschäftsführer zweier Firmen, die hauptsächlich Inneneinrichtungen umsetzen, beschäftigt er rund hundert Personen. Die Firma „Aktiv Ladenbau“ hat Noitz 2008 übernommen. „Damals waren es knapp zwei Millionen Umsatz. Heute sind wir bei rund 25.“
Doch wie möchte der Geschäftsmann sein Wissen auf den Sport ummünzen? „Wie in der Arbeit: aufeinander zugehen, sachlich miteinander reden und sich auf Lösungen konzentrieren, nicht auf Probleme“, antwortet Noitz. Der „direkte Kontakt und das Netzwerk“ sei sein Erfolgsrezept. „Professionelles Netzwerken wird unserer Sportart auf verschiedenen Ebenen helfen, unsere Ziele zu erreichen“, sagt Noitz. Ziele? Was heißt „Badminton größer und stärker machen“?
Hallenzeiten als Herausforderung
Das oberste Ziel für Noitz ist es, mehr Leute zum Badminton zu bringen. Konkret: mehr Mitglieder in die Vereine. „Mehr Breite, heißt automatisch auch, dass mehr an der Spitze übrigbleibt.“ Die Zahlen steigen zwar stetig, aber zu langsam, erklärt Noitz und zieht den Vergleich mit dem gleichsprachigen Nachbarland: „Man sagt Deutschland, ist zehnmal Österreich. Nur haben die rund 180.000 Mitglieder im Badmintonverband, und wir knapp 5.000.“
Ein Problem, das dabei häufig diskutiert wird, ist der Hallenzugang. Manche Vereine können deshalb keine neuen Mitglieder aufnehmen. Noitz hat als Vereinsfunktionär selbst erlebt, wie schwierig es sein kann, Hallenzeiten zu bekommen. Es müsse diskutiert werden, warum viele Schulhallen etwa im Sommer nicht zugänglich sind. „Vielleicht kann dabei das Netzwerken helfen“, sagt Noitz und schlägt die Brücke zu seiner unternehmerischen Seite.
Und zum Stichwort „Stärke“? Auch im Spitzensport müsse man in den nächsten Jahren weiterkommen. Ein Ziel dabei: Die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Am liebsten möchte der ehrenamtliche ÖBV-Präsident da ein ganzes Badminton-Team an den Start bringen. Aber Noitz ist Realist, auch im Spitzensport seien Erfolge das Ergebnis harter Arbeit und das brauche seine Zeit.
Text: Gustav Andree



