26.06.2023
International

Schlagkräftige Inklusion

European Games 2023

European Games 2023
Katrin Neudolt zeigt in Gebärdensprache für welches Land (= Österreich) sie bei den European Games an den Start geht (Foto: ÖOC/GEPA-Pictures)

Katrin Neudolt ist Badmintonspielerin – und das richtig erfolgreich. Die fünffache Staatsmeisterin ist außerdem gehörlos, und schreckt vor keiner Herausforderung zurück. Bei den Europaspielen Krakow-Malopolska schreibt sie mit ihrer ersten Teilnahme an einer olympischen Großverantaltung das nächste Kapitel ihrer Erfolgsgeschichte – und führt eine Familientradtion der Neudolts fort.

Die Leidenschaft für den Sport entdeckte die Mödlingerin durch ihre Eltern, Mutter Gabriele ist ihr sportliches Vorbild und schaffte es im Handball sogar zu den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles. „Ich wollte schon immer in irgendeiner Form an einer olympischen Veranstaltung teilnehmen. Es war schon immer eines meiner größten Ziele in die Fußstapfen meiner Mutter zu treten – dieser Traum wird jetzt in Krakau-Malopolska wahr“, so Neudolt.

Erfahrung als Gamechanger

Der sportlichen Karriere ordnete Neudolt alles unter und investiert täglich mehrere Stunden in ihre Trainingseinheiten um in der schnellsten Sportart der Welt - der Shuttlecock erreicht bis zu 250 km/h -zu bestehen. Der Erfolg gibt ihr Recht: Fünf Staatsmeistertitel darf sie ihr Eigen nennen. Bei ihrem Weg an die Spitze des Österreichischen Badminton-Sports setzte Neudolt aber nicht nur starke, sportliche Ausrufezeichen. Sie ist ein leuchtendes Beispiel für Integration im Sport und dafür, dass alles möglich ist. Dabei musste sie aber auch einige Herausforderungen meistern.

Obwohl sich ihre Teamkolleg:innen im Team Austria auch akustisch auf die schnellen Shuttlecocks einstellen können, ist sie die Nummer eins bei den Damen. „Mein größter Nachteil ist, dass ich oft länger abwarten muss, wohin der Schlag geht. Das bedeutet, dass ich noch schneller sein muss als meine Gegner:innen und ich mein Spiel sehr vorrausschauend aufbauen muss. Ich bin aber schon so lange Badmintonspielerin und habe gegen so viele unterschiedliche Spieltypen gespielt, dass ich mich perfekt an diese Situation angepasst habe“, erklärt Neudolt, die im Training gar nicht so viel anders macht, als ihre hörenden Kolleg:innen: „Es ist vorrangig eine Einstellungssache. Ich muss mit einer anderen Strategie in die Begegnungen gehen, als meine Gegner:innen. Ich bin abwartender und plane immer zwei Schritte voraus – denn erst wenn ich meine Strategie optimal an meine Kontrahent:innen angepasst habe, kann ich mein Spiel durchbringen.“

Große Sportlerin, große Ziele

Bei den Europaspielen Krakow-Malopolska 2023 will Neudolt wieder groß aufspielen, ihre ersten olympischen Erfahrungen aber auch genießen. „Natürlich ist das Ziel im Spitzensport immer zu gewinnen. Ich freue mich bei den Europaspielen aber auch schon sehr darauf, mich mit den besten Athlet:innen zu messen und werde natürlich mein Bestes geben, um mit einer Medaille im Gepäck nach Hause zu fliegen!“

Ein Gewinn für die Inklusion ist Neudolt bereits jetzt gelungen, ihr oberstes Ziel bei den Europaspielen ist nämlich kein sportliches: „Es ist für mich eine große Ehre das Team Austria bei den Europaspielen zu vertreten - ich will dort einfach zeigen, dass man auch als gehörlose Athletin oder als gehörloser Athlet in der absoluten Elite dabei sein kann und mit gutem Beispiel in ein eine inklusivere Zeit voran gehe!“

(Bericht: ÖOC)


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