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All England 2013

Deputy Referee Michael Nemec gemeinsam mit Referee Isabelle Jobard (FRA) bei der Arbeit (Foto: badmintonphoto.com)

Von Michael Nemec

Es gibt in der Welt des Badminton wohl wenige Turniere, denen ein vergleichbarer Ruf vorauseilt wie die All England Badminton Championships, die heuer zum 103. Mal ausgetragen wurden.

Die National Indoor Arena in Birmingham ist seit einigen Jahren der Austragungsort- eine immer noch wirklich gute Halle, die zum Zeitpunkt ihrer Errichtung sicherlich maßstabgebend war.

Für das Jahr 2013 wurde ich von BWF dorthin als Deputy Referee entsandt, zusammen mit Referee Isabelle Jobard aus Frankreich.

Das Reizvolle und zugleich auch Schwierige an solchen Aufgaben ist es, die Tradition eines Turnieres mit den Anforderungen des Weltverbandes in Einklang zu bringen; das geht halt manchmal nicht ohne Kränkungen
und enttäuschten Erwartungen der vielen Mitarbeiter, die teilweise schon seit mehr als 25 Jahren eine bestimmte Position innehaben und jetzt auf einmal alles anders machen sollen – nur weil es das Reglement
der Super-Series vorschreibt. „Es ist schon gut, dass es Regeln gibt für die Anderen- aber wir sind doch die All England!“ – das haben wir mehr als einmal gehört, und wir waren nicht sehr beliebt dort.

Aber von Anfang an:
Unterbringung in Jury’s Inn, einem 18- Stockwerk Hotel in kurzer Gehweite von der Halle. Die Zimmer sind Standard, wobei deutlich alles reduziert wurde was sich nur reduzieren lässt.
Wozu braucht man z.B. einen Kasten, wenn es eine Ablage für den Koffer auch tut? Offenbar bleiben die Gäste in der Regel nur für eine Nacht und nicht wie wir für 8 Nächte.
Dass es im Hotel kein W-Lan gab, war schon etwas unangenehmer- als Referee sollte man doch per Email erreichbar sein. Auf den „Service“, pro Einloggen 5 Pfund zu zahlen, habe ich dankend verzichtet.
Dafür war die Internetqualität in der Halle sehr gut- wir haben halt dort gearbeitet.

Für europäische Verhältnisse hat dieses Turnier eine tolle Zuschauerkulisse - es wird aber auch genügend Show geboten, die Zuschauer kommen eine Stunde vor Beginn der Spiele, und die Präsentation ist hervorragend- alle Spiele mit Mikrophon, wobei die Stimmen der SR immer nur in unmittelbarer Umgebung des Feldes zu hören war – perfekt und nicht störend.

Die Beleuchtung, das Klimamanagement- alles ist durchaus auf sehr hohem Niveau. Ein kleiner Schwachpunkt war, dass der Treffpunkt für Spieler und Schiedsrichter vor dem Spiel in einem eher schummrigen Teil der Halle war- man konnte dort Farben nicht wirklich gut erkennen, und das hat zu etlichen seltsamen Farbkombinationen auf den Spielfeldern geführt.

Es waren ausreichend SR vorhanden, sodass jeder zumindest eine Freischicht hatte- ab Freitag geht es ja sowieso erst am Nachmittag los, damit stand dem Sightseeing nichts im Wege.

Sehenswert in Birmingham ist vor allem das weit verzweigte System aus Kanälen, die vor etwa 250 Jahren zum Transport von Eisen und Kohle angelegt wurden. In den alten Wärterhäusern gibt es jetzt so manches reizende Café oder Pub.

Die Besetzung der Spiele mit SR, der Kontakt zwischen SR und LJ, gemeinsame Briefings aller Court Officials – alles das waren Disput- Punkte zwischen den Veranstaltern und den Referees, und jeder hat sich irgendwo mehr und irgendwo weniger durchgesetzt. Immerhin- am Finaltag waren drei SR und ein AR nicht aus England, eine bisher undenkbare Quote- aber jetzt eben Vorschrift, auf deren Einhaltung die Referees zu achten haben.

Wir sind nach Turnierende sehr entspannt mit den verbleibenden nichtenglischen SR ausgegangen und konnten uns ungestört austauschen – viele Anregungen und Kommentare dieser Kollegen sind in den Bericht eingeflossen.

Aber trotz dem, was ich vorher geschrieben habe: es würde sicher jeder wieder kommen, wenn man ihn lässt. Ich auch.